Armut, Keuschheit und Gehorsam entsprechen der Frohen Botschaft des Evangeliums, weshalb sie "evangelische Räte" genannt werden. Das gottgeweihte Leben ist gekennzeichnet durch Verpflichtung auf diese Räte durch Gelübde in einem von der Kirche anerkannten dauernden Lebensstand.

Das Evangelium von der barmherzigen Liebe Gottes lädt den gläubigen Menschen zur innigsten Vereinigung mit ihm ein. Dazu empfehlen die Räte den Verzicht auf Güter, welche zwar an sich erlaubt und gut sind, deren Hingabe aber die volle Entfaltung unserer Liebe zu Gott und den Menschen fördern soll. Dieser Weg der Nachfolge ist steil, aber voller Verheissung.

Nicht in einem Geiste der Verneinung, sondern zur vollkommeneren Bejahung eines noch höheren Gutes, rät uns Jesus zum Verzicht auf Reichtum, Ehe und die Selbstverfügung über unser Tun und Lassen. Armut, Keuschheit und Gehorsam - um des Himmelreiches willen geübt - sind der vollkommene Weg in dieser Welt zu Gott. Nicht etwa, weil man mit ihnen automatisch vollkommen wäre, sondern weil man mit dieser Lebensform die Vollkommenheit des Himmels in dieser Welt vorweg zu nehmen versucht.

"Die Armut bekennt, dass Gott der einzige wahre Reichtum des Menschen ist. Nach dem Beispiel Christi, der arm wurde obwohl er reich war, wird die Armut Ausdruck jener Ganzhingabe, zu der sich die drei göttlichen Personen gegenseitig machen.

Die Keuschheit der unverheirateten Männer und der Jungfrauen als Bekundung der ungeteilten Hingabe an Gott stellt einen Abglanz der grenzenlosen Liebe dar, die die drei göttlichen Personen in der geheimnisvollen Tiefe des trinitarischen Lebens verbindet.

Der Gehorsam, der in der Nachahmung Christi geübt wird, dessen Speise es war, den Willen des Vaters zu tun, stellt die befreiende Schönheit einer von Verantwortungsgefühl erfüllten und von gegenseitigem Vertrauen beseelten kindlichen und nicht sklavischen Abhängigkeit dar, die Abglanz der liebevollen Gegenseitigkeit der drei göttlichen Personen in der Geschichte ist."

Johannes Paul II. in Vita consecrata Nr. 21
 
 

Da blickte ihn Jesus liebevoll an und sprach zu ihm: "Eines fehlt dir noch. Geh hin, verkaufe alles, was du hast. Dann komm und folge mir."  (Mk 10,21)

"Es gibt solche, die um des Himmelreiches willen der Ehe entsagen. Wer es fassen kann, der fasse es."                                       (Mt 19,12)

"An Brandopfern hast du kein Gefallen. Da sprach ich: Siehe, ich komme, um deinen Willen zu erfüllen, o Gott."                      (Hebr 10,6)

 
 
Die mit den evangelischen Räten verbundenen Tugenden gelten freilich für jeden Christen. Jeder muss sich um den geordneten Gebrauch von Besitz, Geschlechtskraft und Selbstbestimmung bemühen. Legt man jedoch die Räte als Gelübde ab, wird aus dem geordneten Gebrauch eigener materieller Güter die Besitzlosigkeit, aus der ehelichen Keuschheit die Enthaltsamkeit um des Himmelreiches willen und aus der Unterordnung unter rechtmässige Autoritäten in Staat und Kirche die Preisgabe der Selbstbestimmung. Gerade im Gehorsam wird das Schwere wie auch Segensreiche der Gelübde deutlich.

Die Liebe ist der letztliche Sinn der Gelübde. Sie dienen der Ganzhingabe an Gott, dem vollkommenen Hineinwachsen in die Freundschaft mit Jesus. Mit dem Verzicht auf elementare menschliche Rechte soll den drei Quellen der Versuchungen von der Wurzel her begegnet werden: der Gier nach dem Haben wollen, der sinnlichen Lust und dem Stolz.

Da die Liebe Seele und Ziel der Gelübde ist, darf sie nicht nur äusserlich verstanden werden. Auch im Kloster kann man besitzergreifend sein und Ansprüche erheben, kann man ungeordnete Beziehungen knüpfen der Anhänglichkeit oder Dominanz - und für ungehorsame Eigenliebe und Stolz gibt es viele Gelegenheiten. So bleibt die Nachfolge Christi im Ordensleben ein täglicher Kreuzweg, dessen täglicher Lohn aber darin besteht, "die Liebe Christi (zu) erkennen, die alles Erkennen übersteigt, und dadurch ganz von Gott erfüllt zu werden" (Eph 4,19).
 

Ama et fac quod vis - liebe, und tu was du willst.

(hl. Augustinus)

Kontakt

Dorf 35
9488 Schellenberg
Fürstentum Liechtenstein
+423 373 1167

Öffnungszeiten

Unsere Pforte ist geöffnet
  • werktags:
      - von 08:00-12:00
      - von 14:00-16:30

    sonntags:
      - von 14:00-16:00

Heilige Messe

(lateinisch)

Mo-Sa: 06:00 Uhr

an Sonn- und Feiertagen: 08:15 Uhr

täglich: 18:50 Uhr Sakramentsandacht mit Rosenkranz

© 2012 - 2017 Frauenkloster Schellenberg. Alle Rechte vorbehalten.